ChrisTEXT-Tipp Zell am See: Der Hotspot zum Höhepunkt der Kältewelle

Nur am Eis wird’s heiß

Die (Zeller) Eisbären – Aktuelles und Historisches

Der 27. Februar ist nicht nur der Geburtstag von Rainhard Fendrich, Liz Taylor und dem FC Bayern München, als „Internationaler Tag des Eisbären“ ist er heuer auch ein Festtag des Hausverstandes: denn wann sonst als zu diesem Anlass passt es besser, dass sich derart eisige Temperaturen einstellen und wir den Höhepunkt einer extremen Kältewelle erleben. Doch Zell am See kann heute Abend auch mit einem absoluten Hotspot aufwarten…

Selten fühlen wir uns daheim in Österreich Spitzbergen, Grönland und Alaska so nah wie in diesen Tagen. Eine derartige Kältewelle gibt es hierzulande nicht mehr oft, schon gar nicht Ende Februar. Doch auch in den Verbreitungsgebieten der Eisbären wird es durch den voranschreitenden Klimawandel auf unserem Planeten wärmer und wärmer. Dem größten an Land lebenden Raubtier der Welt droht sein Lebensraum wegzuschmelzen. Von den aktuell etwa 25.000 Polarbären leben zwei Drittel in gefährdeten Gebieten, ein weiteres Schrumpfen der Population ist absehbar. Um darauf aufmerksam zu machen initiierten US-amerikanische Zoos 2004 erstmals den „International Polar Bear Day“, der seither jedes Jahr am 27. Februar ausgerufen wird. In Zoos lebende Eisbären weltweit werden an diesem Tag mit einer Extraportion Fisch verwöhnt. Weder die aktuell dazu passende Kälte noch so manche Aktion, die Eisbären heute hochleben lässt, soll aber das drängende Problem in den Hintergrund rücken – ganz im Gegenteil: Das Packeis schmilzt selbst in der Arktis, der Klimawandel ist nicht wegzudiskutieren und der Mensch sollte sich seiner Rolle dabei bewusst sein.

Eisbären mit und ohne Fell

Um die zweieinhalb Meter Länge und eine halbe Tonne Gewicht erreicht ein stattlich gebautes Exemplar dieser Prachttiere der Wildnis durchaus, Einzelfälle bringen es sogar auf bis zur 3,40 Meter Länge und 800 Kilogramm. Im Salzburger Pinzgau – und damit zum weniger ernsthaften Teil dieser Story – gibt es eine ganz besondere Spezies von Eisbären: Diese erreicht zwar nach aktuellen Daten nur eine Länge von bis zu 1,96 Metern und bringt nur maximal 90 Kilo auf die Waage, es handelt sich aber um ein Schwergewicht des österreichischen Eishockeys, das in seiner 90-jährigen Geschichte schon einige Größen hervorgebracht hat. Statt weißem Fell bilden blau-gelbe Trikots die oberste Schicht und gejagt wird nicht nach Robben, sondern nach Punkten. Die Rede ist vom EKZ, der traditionsreiche Eishockeyklub aus Zell am See hat sich die Eisbären für dessen tierische Identität auserkoren.

Ruhmreiche Historie – Eishockeytradition in Zell am See

2018 ist ohnehin in vielerlei Hinsicht ein Jubiläumsjahr, es sei an dieser Stelle um  eine sportliche Facette ergänzt: 1928, vor nunmehr 90 Jahren, wurde nicht nur Zell am See zur Stadt erhoben – es ist auch das Gründungsjahr des Eishockeyklubs in der Bergstadt. Bereits im Folgejahr wurde der EKZ Mitglied im Österreichischen Eishockeyverband und begann, sich zum nicht wegzudenkenden Inventar des heimischen Eishockeysports zu entwickeln. Gespielt wurde zunächst auf den im Winter eisbedeckten Tennisplätzen im Stadtzentrum, heute Standort des Ferry-Porsche-Kongresscenters, und natürlich am See, wo sich früher noch häufiger eine stabile Eisdecke gebildet hat. Die großen Ambitionen und die entfachte Begeisterung ließen den Ruf nach einer neuen Heimstätte mit Kunsteisbahn laut werden. Dem Wunsch des aufstrebenden Klubs wurde Rechnung getragen und so konnten die Eisbären im Dezember 1967 ihre neue Heimat beziehen. Die Überdachung blieb daraufhin noch gut zwei Jahrzehnte ein Traum, dieser erfüllte sich erst 1989. Bereits 1960 stiegen die Zeller erstmals in die höchste Spielklasse auf um dort zunächst Lehrgeld zu zahlen, aber in einer Klubgeschichte voller Höhen und Tiefen docke man immer wieder mal ganz oben an. Die größten Erfolge feierten die Zeller Eisbären aber mit bislang sechs Titeln in der Nationalliga. Besonders der Nachwuchsarbeit wird in Zell am See seit jeher ein hoher Stellenwert beigemessen – echte Wertarbeit, die dem EKZ auch seine bekanntesten Eisbären beschert hat: Unter dem tschechischen Trainer Zdenek Vanek wurden die Superminiknaben des Traditionsklubs 1993 sensationell Österreichischer Meister. Der damals zehnjährige Sohn des Trainers hatte einen wesentlichen Anteil am Gewinn des Titels, heute kennt man Thomas Vanek als erfolgreichen NHL-Legionär.

Spannender Eishockeyabend vor ungewisser Zukunft

Zurück in der Aktualität der laufenden Saison gibt es einige Dinge, die den Fans der Eisbären Sorgen bereiten. Die größte Angst geht seit Ende letzter Woche um, sie betrifft zu Ende gedacht gar den Weiterverbleib in der immer professioneller werdenden „Alps Hockey League“. Seit dem Bekanntwerden der Rücktritte mehrerer Vorstandsmitglieder einschließlich des Obmanns herrscht Unklarheit, wie es in der kommenden Saison weitergeht und ob die Rahmenbedingungen überhaupt eine Zukunft in der attraktiven Zweitklassigkeit hergeben. Immerhin: Die tolle Nachwuchsarbeit des EKZ dürfte gesichert sein und zumindest nicht unmittelbar von der Frage abhängen, wie zukunftsfähig das Dasein der Großen in der Semi-Professionalität ist. Die EKZ-Juniors sind nach Umstrukturierungen im Jahr 2009 ein eigenständiger Verein mit eigener Werteskala, bei der Spaß ganz oben steht.

Unterdessen muss die Mannschaft von Coach Dieter Werfring heute Abend im letzten Heimspiel des Grunddurchgangs dieser Saison alle Nebengeräusche ausblenden und den vollen Fokus auf das Sportliche richten. Die Zeller haben ab 19:30 Uhr die Hockey-Juniors von Red Bull Salzburg zu Gast. Das Derby verspricht angesichts der Tabellensituation ein Duell auf Augenhöhe zu werden, für Brisanz sorgt das knappe Rennen um die letzten Play-Off-Startplätze. Mit einem Heimsieg können die Zeller vor dem letzten Spiel, das am Donnerstag auswärts in Ljubljana stattfindet, einen kleinen Funken Hoffnung für das Erreichen der Play-Offs am Leben halten.

Kleinere und größere Weichenstellungen stehen also an und eines haben die blau-gelben Eishockey-Cracks von Zell am See mit ihren verehrten Raubtieren leider gemeinsam: sie blicken in eine ungewisse Zukunft. Wer sich für die prächtigen weißen Bären der arktischen Wildnis einsetzen möchte, der muss sich bewusste Schritte gegen den Klimawandel überlegen um einem globalen Problem entsprechend zu begegnen. Wer den Zeller Eisbären helfen möchte, der kann das gleich heute Abend in der Eisbären-Arena tun. Nach dem letzten Umbau 2003 bietet diese jetzt 2.600 Zuschauern Platz, es gibt 1.215 Sitz- und 1.385 Stehplätze. Für Spannung ist gesorgt, mögen zahlreiche Einheimische gemeinsam mit den vielen Touristen in dieser letzten Februarwoche dafür sorgen, dass sich die Ränge gut füllen – sei es für ein würdiges Saison-Finish, oder mit etwas Glück sogar noch für das Erreichen der Play-Offs.

Hier können Sie diese Story als „Sway“ mit einigen Bildern sehen!

© 2018 ChrisTEXT

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4 Gedanken zu “ChrisTEXT-Tipp Zell am See: Der Hotspot zum Höhepunkt der Kältewelle

  1. Kommt auch hier sehr auf die saisonalen Aspekte an, über Weihnachten und in den touristisch am stärksten frequentierten Wochen des Jahres ist der Touristenfaktor erheblich. Ganz eindeutig auszumachen ist der Einfluss nicht, weil auch Einheimische bis November oft meinen, es sei ja noch gar nicht so wirklich Eishockey-Saison, die entscheidende Phase beginnt ohnedies erst um Weihnachten, weshalb es nicht nur die Touristen sind, denen die höheren Zuschauerzahlen ab dieser Zeit zuzuschreiben sind. Zell am See ist einfach Inbegriff einer Touristendestination, beim EKZ ist die Tourismusorganisation ja inzwischen sogar Hauptsponsor. Dadurch, dass die Eisbären historisch gewachsen sind, sind die Touristen aber durchaus rein als Bereicherung der Kulisse einzuordnen, die Heimspiele sind tatsächlich Eishockey pur und in keiner Weise touristische Inszenierung – keine Selbstverständlichkeit, darum kann das durchaus mal lobend erwähnt werden 🙂

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  2. Wie groß ist denn dort in Zell am See der Touristenfaktor bei den Zuschauern? Hier in D gab es solch ein Phänomen mal in Braunlage im Harz stets über Weihnachten.

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