Mit der Inspiration von ChrisTEXT durchs Salzburger Land

Seit Dezember schreibt ChrisTEXT für das „SalzburgerLand Magazin“, dem Online-Magazin der Salzburger Land Tourismus GmbH für touristische Informationen zum Salzburger Land.

Die Artikel in diesem Magazin sollen die Sehnsucht nach Urlaub im Salzburger Land wecken, zudem finden sich aber auch für Einheimische immer wieder interessante Freizeittipps.

Los ging es letzte Woche im Pongau: den Anfang machen eine Reportage vom ersten gewerblich geführten Nichtraucher-Gutshof Österreichs und ein Bericht von einem ganz besonderen Adventmarkt.

Die Texte werden auch regelmäßig auf der ChrisTEXT-Facebookseite geteilt, damit ihr keine interessanten Anregungen verpasst.

Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht Chris 🙂

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Secrets of Salzburg. Die Mozartstadt auf den zweiten Blick.

Salzburg-Tipps für Studierende und Besucher

Wenn im Oktober wieder Studierende nach Salzburg kommen, beginnen auch wieder neue Entdeckungsreisen. Die Stadt hält bestimmt, was sie verspricht: Bekannte Sehenswürdigkeiten, schöne Gassen und die Klänge von Mozart – eine Kleinstadt mit Weltformat eben, für die man als Tourist auf jeden Fall ausreichend Zeit einkalkulieren sollte. Doch auch wer einen längeren Aufenthalt vor sich hat, muss sich nicht zwangsläufig von der Nostalgie der Altstadt übersättigen. In vielerlei Hinsicht eröffnen sich neue Welten, wenn man Salzburg einen zweiten Blick widmet – eine lohnende Idee für viele, von der Naschkatze bis zum trinkfesten Studenten.

Mozartkugel – wer hat’s erfunden?

Echt vs. Original, Mirabell vs. Fürst

„Die rot-goldene Verpackung, da sind die Echten drin“, das könnten Kenner Salzburgs über die Mozartkugeln durchaus sagen. Das stimmt auch, ist aber ohne eine weitere Information doch gefährliches Halbwissen. Denn neben den „echten“ gibt es auch die „originalen“ Salzburger Mozartkugeln und deren Verpackung ist blau-silber. Der Salzburger Konditor Paul Fürst kreierte 1890 das Original, das nach wie vor vom Familienbetrieb nach Originalrezept produziert und exklusiv verkauft wird. Das Original ist Fürst also nicht streitig zu machen, doch die lockeren Schutzrechte öffneten Tür und Tor für Nachahmerprodukte. Zu großer Bekanntheit bringen es die Mozartkugeln von Kraft Foods durch ihre Marke Mirabell. Österreichs größter Mozartkugel-Hersteller produziert diese „echten“ Salzburger Mozartkugeln industriell und ist führend in Sachen Vermarktung, das rot-goldene Design der Mirabell-Mozartkugeln prägt das Bild vieler Altstadtgassen. Echt oder Original, an der Uni eine Begriffsdefinition, für Naschkatzen mitunter eine Glaubensfrage.

Fußball – eine Frage der Ideologie

Fans bei einem Heimspiel des SV Austria Salzburg im Stadtteil Maxglan

Red Bull Salzburg ist Abo-Meister in der Österreichischen Bundesliga und seit Jahren das Maß aller Dinge im heimischen Klubfußball. Neben Fußball ist der Getränkekonzern aus Fuschl, nahe Salzburg, auch in Salzburgs Eishockey großer Finanzier und macht Salzburgs Profisport österreichweit sehr erfolgreich. Keine Freunde macht man sich damit, wenn man diese Geschichte in Salzburg-Maxglan erzählt. Einen Steinwurf von der Stiegl-Brauerei entfernt ist dort jener Fußballklub beheimatet, dessen Identität bei der Übernahme den Vorstellungen Red Bulls weichen musste. Fans gründeten den SV Austria Salzburg daraufhin neu und gliederten ihn 2006 wieder so in den Spielbetrieb ein, wie sie sich das vorstellen: In den Farben violett und weiß. Zwar dockte die in der untersten Spielklasse (7. Liga) neugestartete Austria unlängst schon wieder im Profifußball an, es folgten aber finanzielle Probleme, womit sich der Klub derzeit mit der Regionalliga, Österreichs dritter Spielklasse, abfinden muss. Europacup-Glorie und Bundesliga sind zwar aktuell in weiter Ferne, die Vorherrschaft in Sachen Stimmung und Fußballkultur beansprucht man beim einst so beliebten Traditionsklub aber auch weiterhin. Apropos Tradition: Noch länger als die Austria gibt es Salzburgs ältesten Fußballklub, den im Uni-Stadtteil Nonntal beheimateten SAK 1914. Überhaupt gibt es viele Stadtvereine in Salzburg, die sich bestimmt über kickende Studierende in ihren Reihen freuen würden.

Bierhauptstadt Österreichs

Die Treppe, die den Namen gibt: Das Stiegl-Stiegl.

Christoph Kolumbus entdeckte 1492 Amerika. Was für die Weltgeschichte ein Meilenstein sein mag, ist für Salzburger Biertrinker eine Randnotiz. Denn just seit diesem Jahr gibt es auch Stiegl, mittlerweile Österreichs größte Privatbrauerei. Eine kleine Treppe, in lokaler Umgangssprache ein „Stiegl“, die von der alten Brauerei zum Almkanal führte, gibt dem Stiegl-Bier bis heute seinen Namen. Diese Treppe gibt es nach mehreren Liegenschaftsverkäufen der einstigen Braustätte so zwar nicht mehr, wer dennoch auf historischem Pfad der Biergeschichte spazieren möchte, der kann das aber tun. Es gibt an selber Stelle auch heute wieder ein „Stiegl“, das ist die Treppe von der Gstättengasse zum Anton-Neumayer-Platz. Wer zuvor bereits Kostproben der Vielfalt von Salzburgs Bieren zu sich genommen hat, könnte dort aber gehörig ins Wanken kommen, denn die Bierhauptstadt Österreichs hat noch viele weitere Brauereien von internationalem Format zu bieten. Die Privatbrauerei von Josef Sigl in Obertrum, unweit der Landeshauptstadt, ist bekannt für Innovationen wie Gläsertrends. So wurde dem Trumer Pils eine schicke Anmutung verpasst, die auch immer mehr Frauen anspricht. Das Augustinerbräu ist ein Braukloster in Salzburg-Mülln und als solches eine noch aktive Museumsbrauerei. Bei offener Gärung wird hier ein Bier produziert, das die Gäste aus Tonkrügen – in den Sommermonaten auch gerne im Biergarten – zu einer deftigen Jause mit Leberkäse genießen. Auch die Weißbierbrauerei in der Bayerhamerstraße ist eine Besonderheit, die Salzburg für Bierliebhaber so interessant macht. Die Handwerkstradition der „Weissen“ geht auf das Jahr 1901 zurück, noch heute braut man dort nach dem Ursprungsrezept. Zusätzlich hat man gleich an das traditionelle Wirtshaus mit Gastgarten die Musikbar „Sudwerk“ angeschlossen, verbindet damit Tradition und Moderne. Bierkonsum mit Studienfortschritt zu verbinden könnte demnach eine weitere Herausforderung werden. Das lebhafte Nachtleben der vielen Bars wird vor allem in der warmen Jahreszeit durch viele Feste ergänzt, von der Linzergasse bis zum Kaiviertel feiert man an jeder Ecke. Los geht’s damit am Pfingstwochenende mit der Salzburger Dult am Messegelände. Ein alljährlicher Höhepunkt ist der Rupertikirtag im September, ein Volksfest zeitgleich zur Münchner „Wiesn“, bei dem auch Salzburgs Bierkultur zelebriert wird. „Vernünftig genießen“ scheint bei diesem Angebot eine gute Devise fürs Studium zu sein.

Advent in Salzburg

Christkindlmarkt vor dem Salzburger Dom: Glühwein & Co. gibt’s hier jedes Jahr ab Mitte November

Der Advent kann eine ungemein stressige Zeit sein. So vieles möchte manch einer noch vor Weihnachten erledigen, so manches muss sein, wenn die Pflicht ruft. Neu zugezogene Studierende haben sich für gewöhnlich bereits an das Leben in Salzburg gewöhnt, wenn die erste Kerze am Adventkranz brennt. Glücklich ist jetzt, wer Präsentationen, Prüfungen & Co. erst ab Jänner im Kalender stehen hat. Es lockt nämlich der Duft von Glühwein und Co. bei den Adventmärkten in Stadt und Land Salzburg. Der große Christkindlmarkt am Dom- und Residenzplatz gilt als einer der schönsten Europas. Er bringt jedes Jahr stimmungsvolles Ambiente in die Altstadt, verkauft werden neben Glühwein, Punsch und kleinen Imbissen auch Kunsthandwerk, regionale Spezialitäten und Süßigkeiten. Der Weihnachtskitsch am Fuße der Festung hat nie etwas von seiner Beliebtheit verloren, während immer mehr Angebote dazukommen. Viele Einheimische bevorzugen in der Stadt den besonders an Wochenenden etwas ruhigeren Hellbrunner Adventzauber. Bekannt für eine romantische Vorweihnachtszeit sind auch die Dörfer rund um das Seengebiet zwischen Wolfgangsee und Fuschlsee, die den Advent im Salzkammergut organisieren. Einen Abstecher aufs Land ist auch das Großarltal wert. Der Salzburger Bergadvent ist bestimmt ein Highlight der Vorweihnachtszeit im Innergebirg, wo sich auch häufiger eine verschneite Kulisse bietet.

Wer also Festung, Mirabellgarten und Getreidegasse entdeckt hat, der ist mit Salzburg noch lange nicht fertig. Schon so manche Studentin soll sich letztlich weniger Gedanken darüber gemacht haben, was sie denn in Salzburg so unternehmen kann, als darüber, wie sie wohl neben Alldem noch genug Zeit für ihr Studium findet.

Regentag? Kirchtag! Lebensstil statt Zweckutensil

Firmenportrait

Kirchtag. Der Laden in der Getreidegasse, dessen Name wie ein Volksfest anmutet, ist auch eines – und zwar für Liebhaber von besonderen Regenschirmen. Solche bilden eine in Salzburg durchaus sehr gefragte Produktgruppe, denn die Stadt ist bekannt für ihren sogenannten “Schnürlregen”, von dem man hier das ganze Jahr hindurch reichlich abbekommt. Die Zweckmäßigkeit der Schirme ist bei Andreas Kirchtag aber nur die Basis – der Salzburger Unternehmer produziert mit viel Hingabe keinen Alltagsgegenstand, sondern einen stilvollen Begleiter für nasse Tage. Obwohl schon etliche Fernsehstationen auf diese einzigartige Schirmmanufaktur in der Salzburger Altstadt aufmerksam geworden sind, betreibt Kirchtag ein auf den ersten Blick eher unscheinbares, kleines Geschäft. Man kann das als stilsicheres Understatement auffassen, denn hier lohnt es sich definitiv, einen genaueren Blick hinzuwerfen.

Dezent, aber stilvoll und unmissverständlich – dieses Schild in der Getreidegasse weist den Weg zum Geschäft der Schirmmanufaktur Kirchtag.

Verkauft wird in der Getreidegasse 22 allerlei, die Palette umfasst unter anderem auch Taschen und Reisegepäck. Doch so besonders macht das kleine Geschäft von Andreas Kirchtag vor allem ein Produkt: der Regenschirm. Diese werden seit nunmehr über 100 Jahren in der eigenen Werkstatt, die sich im Obergeschoss des Geschäftsgebäudes befindet, handgefertigt. Dort entwächst ein oftmals gering geschätztes Produkt, das viele zwischen Werbegeschenk und Billigkauf dank Treuepunkten verorten, aus dessen grauen Status. Mehrere hundert Euro zahlt die begeisterte Kundschaft für einen Regenschirm aus dem Hause Kirchtag, da ist es verständlich, dass allein funktionelle Aspekte den Kaufentscheid kaum erklären können.

Mit einem Blick in die oberen Stockwerke, wo mit viel Detailverliebtheit in aufwändigen Arbeitsschritten die exklusiven Regenschirme hergestellt werden, wird aber bald klar, wofür man hier sein Geld ausgibt. So kann der Kaufmann auch für Zweckorientierte mit sehr überzeugenden Argumenten aufwarten. Der durchgängige Stock dieser echten Holzschirme ist eine echte Rarität, das Resultat ist eine sonst unerreichte Robustheit. Über Dampf wird ein Ende zum Griff gegossen. Das Gestänge kommt aus England oder Italien und wird hinzugefügt, nachdem das Holz in Form gefräst und sechsfach geschliffen wurde. Die mechanischen Teile werden aus Messing gestanzt oder in Österreich aus Aluminium gefräst. Und was macht Klaviersaitendraht an einem Regenschirm? Daraus formt Kirchtag mit Hand die Federn. Schließlich werden Baumwolle, Schirmseide und Kunstfasern zum Tuch vernäht, gesäumt und sorgfältig mit dem Gestell verbunden. Nachdem die Stöcke für einige Tage in Leinöl eingelegt werden, müssen sie drei bis vier Monate lang getrocknet werden. Besonders ist auch das Finish: statt einer Lackierung bekommen die Stöcke der Kirchtag-Regenschirme eine geschmeidige Politur aus Bienenwachs. Dem Stock wird auch ein unverkennbares Markenzeichen verpasst: am Ende des Griffs findet sich – exklusiv bei Regenschirmen von Kirchtag – die sogenannte “Nase”. Diese wird von Hand mit einem Reifmesser in ihre leicht birnenartige Form gebracht.

Die Produktpalette von Kirchtag mit ihrem Herz, den Regenschirmen aus eigener Manufaktur.

Letztlich ersteht der Kunde bei Kirchtag nicht nur einen qualitativ hochwertigen Regenschirm, dessen Griff den Händen schmeichelt, sondern damit verbunden auch ein Statement. Eines, das darüber hinaus auch wie kaum etwas sonst für Salzburg steht. Mit Regen hat man es immer wieder mal zu tun in der Mozartstadt – glücklich, wer dem vermeintlichen “Schlechtwetter” auf eine so elegante Art begegnen kann. Das unscheinbare Geschäft inmitten der Salzburger Altstadt mit seiner einzigartigen Handwerkstradition im Hintergrund ist somit eine sehr interessante Adresse für Einheimische und Touristen. Die Kulturhochburg Salzburg hält freilich einiges an Nostalgie bereit, doch schwer findet sich ein derart gebräuchliches und lebensechtes Souvenir, das diese Kleinstadt mit Weltformat auch so treffend symbolisiert.